Jay Shetty: ‘Das Think Like a Monk-Prinzip: Finde innere Ruhe und Kraft für ein erfülltes und sinnvolles Leben’

Jay Shetty ist für die breitere Öffentlichkeit als YouTube-Persönlichkeit bekannt, der motivierende und inspirierende Inhalte publiziert. Seine Leitidee ist die Vereinigung alter Philosophien und moderner Lebensmodelle.

Die als Mönch gesammelten Erfahrungen und grundsätzliche Lebenseinstellung versucht der Autor nun auch seiner Leserschaft im neuen Buch Think Like a Monk nahezubringen.

Kontroverse Meinungen gab es nicht nur zum Buch, sondern zur Person selbst: Shettys Lektionen und Sprüche seien oft von Philosophen oder Berühmtheiten kommentarlos als eigene Weisheiten übernommen, seine Lehren aus buddhistischen Schriften hielten sich laut seiner indischen Zuschauer auf Drittklässler-Niveau, und Shettys Inhalten mangele es an jeglicher Originalität.


Ist hier eine goldene Mitte auffindbar?



Shetty selbst führt scheinbar eine Existenz zwischen Erleuchtung und und Instagram – schon seit Jahren nicht mehr als Mönch sondern Figur des öffentlichen Lebens.


Er meditiert täglich, vergisst dennoch nicht seine Online-Präsenz. Zeugt das von Falschheit oder wirtschaftlichem Denken?

Think like a Monk ist genau so eine Kombination von unterschiedlichen Existenzfetzen: das Buch besteht aus privaten Erzählungen und Erinnerungen, daraus gelernten Lektionen fürs selbstständige Leben, vergleichbaren Erfolgsgeschichten anderer YouTube-Persönlichkeiten, und übersichtlichen Randbemerkungen, die auf alte Schriften oder wissenschaftliche Studien hinweisen. Diese Aspekte sind auf eine angenehme, lehrreiche und unterhaltsame Art zusammengefügt worden.



Auch als kritischer Leser muss man bedenken, für welches Publikum dieses Buch geschrieben ist. Eher ist es als Helfer auf dem Weg zur Selbstfindung für junge Erwachsene verfasst, die vielleicht ihre Gymnasialbildung abgeschlossen haben oder bereits zur Universität gepilgert sind – und nun zwischen Studium und Lebenstraum die richtigen Informationen oder Methoden für die passende Zielsetzung auf eigene Faust nicht finden können. Wie man in solchen Fällen Ruhe bewahrt, sich neu fokussiert und seine Zeit optimal nutzt, lehrt Shetty auf recht angenehme Art und Weise. Wären die Formulierungen zu archaisch, würde das Buch sich innerhalb der gewünschten Zielgruppe nicht gut verkaufen.

Obgleich der Skeptiker die Agenda sofort entdeckt und als heuchlerisch bemängelt, würde die optimistische Argumentation entgegnen, dass die heranwachsende Generation sich grundsätzlich nie mit tieferreichender Spiritualität oder minimalistischen Denkarten auseinandersetzen würde, wenn diese Ideen nicht von Vorbildern wie Shetty hervorgehoben und auf eine attraktive Art kommuniziert werden.

Beide behalten in meinen Augen Recht.


Für ein sich suchendes junges Publikum ist Think Like a Monk daher durchaus wertvolles Lesematerial und eine recht gesunde Alternative zu anderen Arten der ideologischen und wirtschaftlichen Pleite-Krise der zwanziger Jahre eines Erwachsenwerdenden.



Diejenigen, die behaupten, Shetty sei von LA ruiniert worden und in seiner Spiritualität oberflächlich geblieben, können die Legitimität seiner Erfahrungen als Mönch nicht verringern. Dementsprechend gilt auch: Wenn das Buch auf durchschnittliche US-Amerikanische Individuen zugeschnitten ist, zeugt es nur von gekonntem Marketing.


Einige Kritiken der Videos kann ich auch meinerseits bestätigen: motivierende Zitate wiederholen sich nach einer gewissen Zeit, und obwohl Schriftsteller oft und einfallsreich neue Formate für alte Inhalte ausarbeiten, sind Uralte buddhistische Schriften eben unveränderlich.

Dass Shetty sich auf diese bezieht und sie in leichter Verpackung ins Buch übernimmt, sollte eigentlich niemanden überraschen.


Als leicht zu verdauendes und ziemlich oberflächliches Helferheft mit Ideen ohne tiefgründige philosophische Fundierung ist Shettys Buch also charismatisch, einfach, gradlinig und vom Niveau her vollkommen ausreichend. Die Erwartungshaltung muss jedoch angepasst sein, bevor man sich auf das Lesen einlässt.


In Hinblick auf die absurde Menge der aus YouTube-Ruhm entstandenen Publikationen, die erfolglos versuchen, sich als lesenswertes Format zu verkleiden, kann Das Think Like a Monk-Prinzip sich auf jeden Fall sehen lassen.


Wie hat das Buch euch gefallen? Ich freue mich auf ein Gespräch in den Kommentaren.


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