Versucht die Autorin wirklich einen weltberühmten Klassiker zu imitieren?
Neuerscheinungen
Besprechungen aktueller Veröffentlichungen und Debüts.
Twin Peaks, Sibirien. Tomer Dotan-Dreyfus: „Birobidschan“
Ein schräges, amüsantes und komplexes Meisterwerk mit einer künstlerischen Mykorrhiza, welche sorgfältig in den narrativen Boden des Buchs eingearbeitet wurde.
Beichten und büßen. Albert Camus: „Der Fall“
„Der Fall“ gehört zu den wichtigsten Texten des französischen Existenzialismus – und sei, so Camus‘ Zeitgenosse Jean-Paul Sartre, „Der vielleicht schönste und am wenigsten verstandene seiner Romane“. Ob dies bedeutet, dass der Text nicht für einen Einstieg ins Gesamtwerk geeignet ist?
Don Quijote in Budapest. Zsigmond Móricz: „Der glückliche Mensch“
Ein Roman über brutale soziale Not; das erwachende Böse im reichen Menschen – und die bewundernswerte Fähigkeit, standhaft dem nächsten Sonnenaufgang entgegenzublicken.
Drei Kurzrezensionen, Edition Transzendenz: „Die Sirenen des Titan“, „Die Bäume“ und „Als wir Vögel waren“
Eine Gradwanderung zwischen Gesellschaftskritik und Magie; eine abgefahrene Geschichte, die vor ihrer Zeit entstand – und eine majestätisch-brutale Satire.
Der lange Weg zurück. Trude Teige: „Als Großmutter im Regen tanzte“
Ein beeindruckendes und bewegendes Studium norwegisch-deutscher Zeitgeschichte.
Drei Kurzrezensionen, Edition Götter und Geister: „Schura“, „Philoktet“ und „Seebeben“
Märchenhafte Geisterwelten, erzählerische Diamanten – und ein Deus ex Machina with a twist.
Überleben und überlegen. Sarah Jollien-Fardel: „Lieblingstochter“
In einer Kombination von Klugheit und Rohheit lässt Jollien-Fardel die Geschichte einer Befreiung tief in Leserherzen schneiden – und zeigt ungeschönt die Innenwelten einer jungen Frau, die sich durch die entsetzlichsten Traumata eines Menschenlebens kämpft.
… dass da drinnen doch jemand war. Toni Morrison: „Rezitativ“
Im Kinderheim ist damals etwas grauenvolles passiert. Sind Twyla und Roberta allerdings die Täterinnen gewesen – und wessen Erinnerung trügt?
Geschlossene Gesellschaft. Virginie Despentes: „Liebes Arschloch“
Despentes zeigt meisterhaft die Nuancen menschlicher Verletzlichkeit und Schwäche auf – und unternimmt eine knallharte Bestandsaufnahme der wichtigsten Diskurse unserer Zeit.