Vollständig überbewertet – oder relevanter denn je?
literaturkritik
Ein Erbe ungesagter Worte. Donatella Di Pietrantonio: „Borgo Sud“
Auch ohne den Vorgänger zu kennen kann der neue Roman gelesen und genossen werden. Doch nicht ohne Mühen und Arbeit.
Wo nur Vernichtung aller Hoffnung bestraft. Ava Farmehri: „Im düstern Wald werden unsre Leiber hängen“
Wie fühlt es sich an, in einem iranischen Gefängnis auf die Todesstrafe zuzugehen – und welche Familienmitglieder hat die blutjunge Protagonistin wirklich auf dem Gewissen?
…doch den Leser rettet er. Douglas Stuart: „Shuggie Bain“
„Es ist zu viel, Mammy. Ich kann nicht immer der sein, der alle rettet.“
Von A(eneis) bis (K.I.)Z. Katharina Wesselmann: „Die abgetrennte Zunge. Sex und Macht in der Antike neu lesen“
Spätestens wenn ein ausführliches Wissen über die Texte von K.I.Z. die assoziative Schnittfläche betritt und sich intertextuell fließend zu Catulls Lyrik gesellt, hat Wesselmann ihrer Stimme einen vollständig neuartigen Ton verliehen.
Die Montagsfrage #133 – posthume Veröffentlichung unfertiger Manuskripte
Wem gehört das Werk eines verstorbenen Autors und warum?
Von Mäusen und Menschen. Yaa Gyasi: „Ein erhabenes Königreich“
Auf Figuren- und Handlungsebene kann Gyasis neuer Roman zweifelsohne mithalten. Ist der kompositorische Griff jedoch zu locker für eine tiefere Bindung?
Wenn emotionale Authentizität narrative Klischees überflügelt. Caleb Azumah Nelson: „Freischwimmen“
Woher nimmt der Autor bloß den Mut, so unfassbar viele Klischees aufzugreifen – und die Fertigkeit, dennoch ein Höchstmaß an Authentizität zu erreichen?
Die blutende Libido entstellter Weiblichkeit. Leïla Slimani: „All das zu verlieren“
Slimanis Roman schneidet auf emotionaler Bahn tief unter die Haut und entblößt die enorme Gewalt einer bodenlosen Begierde, die sich in zerstörerische Sucht verwandelt.
Die Montagsfrage #131 – Dialog oder Beschreibung?
Rhetorische Mittel werden in künstlerischen Texten weder willkürlich noch zufällig genutzt. Sind bestimmte Formen objektiv hochwertiger?
Jenseits der eurozentrischen Perspektive. Pankaj Mishra: „Freundliche Fanatiker“
Was verbirgt sich hinter dem provokativen Titel – und ist der Autor selbst ein freundlicher Fanatiker?
Literarische Abenteuer. Buxton und Whiting: „Philosophinnen“
Durch ihre bedeutsame Perspektivenerweiterung geben Buxton und Whiting herausragenden Frauen ihren gebührenden Platz in der Wissenschafts- und Diskursgeschichte.
Literarische Abenteuer. Walter Tevis: „Das Damengambit“
Die Serie genießt ihre Beliebtheit weiterhin. Kann auch die Romanversion überzeugen – oder bleibt sie ein Nachgedanke?