Jahreshiglights 2025: Sachbuch

Das vergangene Lesejahr 2025 war nicht nur in puncto Belletristik, sondern auch im Bereich Sachbuch reichlich und vielfältig ausgestattet. Einige bemerkenswerte Highlights traten allerdings deutlich aus dem restlichen Lesepensum hervor. Diese möchte ich im Folgenden vorstellen.

Mit den folgenden Lektüren gestaltet sich eine eindrucksvolle kulturelle und historische Weltreise mit vielen neuen Perspektiven und wichtigen tagesaktuellen Diskursen. Zu den in den Jahreshighlights behandelten Themenkomplexen gehören Krieg und Kulturgeschichte, Kunst und Sinnlichkeit, Identität und Zerrissenheit, Feminismus und Inklusion – und vieles mehr.


Want

„Want“, herausgegeben von Gillian Anderson, ist eine Sammlung von Briefen über sexuelle Fantasien und Szenen der Lust und Befriedigung, die die Verfasserinnen* normalerweise nur in ihren geheimsten Gedanken ausspielen.

Dieses Buch bietet eine bewundernswerte Vielfalt an Autorinnen, textueller Variationen, sinnlicher und körperlicher Perspektiven. Wir tauchen in viele Gedankenwelten und dürfen intimste weibliche Fantasien lesen – bereits die Prämisse stellt damit eine diskursive Revolution dar.

Die üppige Kollektion anonymer Texte bündelt diverseste Ansätze dessen, nach welchen Formen von Lust und Befriedigung Frauen* sich sehnen. „Want“ zeigt auf authentische Art und Weise, was wir körperlich, emotional und seelisch möchten, wollen und brauchen – und wovon wir uns – mit uns selbst, in uns selbst – in unseren wildesten Fantasiewelten tragen lassen.

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Woman’s Lore

Sarah Clegg hat ihren Doktortitel in Assyriologie in der Universität Cambridge erhalten. Clegg liest Sumerisch, Akkadisch, Arabisch, Griechisch und Latein – herausragendes Fachwissen, welches aus vielen Gründen immensen Wert für die Monografie „Woman’s Lore“ trägt.

Dämonische Fabelwesen und ihre kulturhistorischen Kontexte faszinierten Clegg schon seit ihrem Bachelorstudium. Die Monografie beschäftigt sich mit besagten Fabelwesen, ihrer Rolle in der Kulturgeschichte – und den feministischen Botschaften hinter den Geschichten, Sagen und Legenden, die über Jahrhunderte hinweg zur Dämonisierung von bestimmten weiblichen Kreaturen geführt haben.

Clegg spricht über diverse Fabelwesen, erörtert den historischen und soziokulturellen Lebensraum der Kreaturen und der sie umgebenden Mythologie, fügt zahlreiche Textbeispiele – beziehungsweise Objektbeispiele hinzu, da für die meisten Kreaturen Zaubersprüche oder Abbildungen von Schüsseln, Amuletten, Wasen oder dergleichen extrahiert werden müssen –, um das Verständnis der Gefahr, die im Volksmund von ihnen ausging, zu verstehen; und damit auch ihre kulturelle Bedeutung nachvollziehen zu können.

Ein hervorragendes Buch, welches ich zudem in einem ausführlichen Themenvideo vorstelle und analysiere.


Blick auf Frauen. Den Krieg im Blick

Victoria Amelina war ukrainische Autorin, Dichterin und Menschenrechtsaktivistin. Sie schrieb Romane und Kinderbücher, zudem erschien posthum eine Sammlung ihrer Gedichte. 2021 gründete Amelina in dem Ort Nju-Jork im Donezk das New York Literature Festival. 2023 gab sie das Kriegstagebuch des Anfang 2022 von russischen Soldaten ermordeten Kinderbuchautors Wolodymyr Wakulenko heraus.

Im Juni 2023 wurde Amelina in Kramatorsk durch eine russische Rakete tödlich verletzt.

„Blick auf Frauen. Den Krieg im Blick“, aus dem Englischen übersetzt von Steffen Beilich und Andreas Rostek, begann als Kriegstagebuch und wurde zur Geschichte außergewöhnlicher Frauen. Hier erzählt Amelina ihre Lebensgeschichte, teilt ihren Weg von Autorin zur Beobachterin von Kriegsverbrechen. Organisch webt sie ihre Gespräche, Bemühungen und Missionen in Zusammenarbeit mit Individuen aus diversen Sphären des ukrainischen Widerstands in diese Geschichte ein. Es entsteht ein facettenreiches Panorama zum entsetzlichen Zustand des Landes einerseits, zur bemerkenswerten Resilienz der Ukrainer*innen andererseits.

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Fantastische Frauen

Fantastische Frauen: Surreale Welten von Meret Oppenheim bis Frida Kahlo“ ist der Begleitband der gleichnamigen Kunstausstellung, meinerseits habe ich diese 2020 in der Schirn in Frankfurt am Main besucht.

Im Vorwort wird zunächst erörtert, dass es sich bei der surrealistischen Bewegung um eine ursprünglich rein männliche Gruppierung handelte, doch dass zahlreiche Künstlerinnen direkt mit der klassischen Bewegung verbunden waren und mit der Gruppe ausstellten. Es gebe Unterschiede bei der Darstellung des eigenen Selbst und des Körpers; Ironie und spielerische Umkehr der Perspektive sollen die weiblichen Interpretationen bestimmen.

In dieser Sammlung werden rund 250 Arbeiten von 36 internationalen Künstlerinnen gesammelt. Die Werke werden ergänzt mit zahlreichen Artikeln über thematische Schwerpunkte und biografische Besonderheiten zu den respektiven Künstlerinnen.

Zu den Verfasserinnen gehören die Herausgeberin Ingrid Pfeiffer; Kunsthistorikerin und Kuratorin im Kunstforum in Wien, Heike Eipeldauer; Kuratorin des Museums für Moderne Kunst in Mexiko City, Tere Arcq – sowie Ausstellungskuratorin der Hamburger Kunsthalle, Annabelle Görgen-Lammers.


Mehr zu den behandelten Künstlerinnen, ihren Berührungspunkten mit dem männlichen Personal des Surrealismus, den respektiven Biografien und Kunstwerken erzähle ich auf YouTube:

Auf meinem YouTube-Kanal findest Du ausführliche Besprechungen zu allen erwähnten Jahreshighlights aus dem Bereich Sachbuch, überdies wartet eine weitere exklusive Leseempfehlung auf Dich.


* das generische Femininum versteht sich als Oberbegriff für alle Personen jeden Geschlechts.

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