Tumblr kann dichtmachen. Neil Gaiman: „Kunst ist wichtig“

Der britische Autor Neil Gaiman ist vor allem für seine Fantasy- und Science-Fiction-Werke bekannt. Seit 2019 gehört Gaiman für sein Lebenswerk in die Science Fiction and Fantasy Hall of Fame.

Warum hat Gaimans neuestes Buch „Kunst ist wichtig“ eine enorme Sogwirkung – obwohl es die offensichtlichsten Botschaften birgt?


© Eichborn Verlag

Neil Gaiman wird von Fantasy- und Sci-Fi-Fans weltweit geliebt und geachtet.

Gaimans Werke sind so vielerlei, dass gar nicht klar ist, ob eher Kinderbücher wie „Coraline“ oder „Odd and the Frost Giants“, Romane wie „Amerigan Gods“ oder „Norse Mythology“, Graphic Novels wie Black Orchid oder The Sandman

oder die Adaption seines eigenen Romans „Ein gutes Omen“ in die Comedy-Serie Good Omens diejenigen Formate sind, die zurzeit die größte Beliebtheit genießen.

Summarum: Aus Gaimans Feder stammen zahlreiche, jeweils ausgezeichnete Formate wie Erzählungen, Essays, Drehbücher, Romane, Adaptionen, Hörspiele und Comics.

Nun versuchte sich der Autor an einem semi-Ratgeber – und traf auch mit „Kunst ist wichtig“ ins Schwarze.

Wie kann ein dünnes Büchlein mit 111 Seiten und einer knappen Stunde Lesezeit unglaublich starke Gefühle hervorrufen und tagelangen Nachhall besitzen?


Kurz gesagt: Sowohl Gaiman als auch der Illustrator Chris Riddell haben gemeinsam ein berührendes Werk geschaffen – da sie genauestens wissen, wie, was und wann sie für eine solche Wirkung zu tun, zu schreiben und zu gestalten haben.

Im Kern trägt dieses kleine Buch nämlich lediglich ein paar erzählende Abschnitte in sich, die Kreative zum individualistischen Schaffen ermutigen und Künstler:innen versichern, dass sich selbst treu zu bleiben das Wichtigste an diesem Prozess ist.

Diese Zeilen werden je Seite mit Illustrationen von Riddell eingerahmt, ergänzt und abgeschmeckt.


Gaiman spricht in „Kunst ist wichtig“ nicht nur darüber, warum man:frau nie aufgeben, seinen eigenen Wert kennen – und ab und auch zu ein bisschen schummeln und tricksen sollte, wenn der Aufstieg in der eigenen Nische nicht direkt gelingt.

Es werden hier nicht nur Tumblr-fertige inspirierende Sätze aufgereiht: Gaiman teilt seine Gedanken in Abschnitte, erzählt Geschichten aus seinem persönlichen Künstlerdasein und verrät bisher weniger bekannte Geheimnisse.


Den Stellenwert einer Autobiografie nimmt das schmale Büchlein keineswegs ein – dennoch steht sofort fest, dass Gaimans Persönlichkeit Leser:innen von jeder einzelnen Seite entgegenlächelt.


Ich wusste, solange ich auf den Berg zulief, ging es mir gut.“1


Vor allem bietet der Autor hilfreiche Konzepte für orientierungslose Kreative am Beginn ihrer Reise zur Selbstbestimmung.

Man:frau soll sich beispielsweise ein Ziel, wenn dieses nicht klar beschreibbar ist und dadurch unerreichbar erscheint, als Berg visualisieren. Mögliche Pfade sollen nach der allgemeinen Frage: „bringt mich diese Entscheidung dem Berg näher?“ eingestuft und dementsprechend wahlweise betreten werden.


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Zudem erklärt Gaiman erste Schritte – Versuche, Aufträge, Arbeitgeber und Publikum zu finden und Bekanntheit zu erreichen – als das Versenden von Flaschenpost: Künstler:innen sollen sich nicht darauf verlassen, dass alle Flaschen zu ihnen zurück gelangen, egal wie viele ins Meer geworfen werden.


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Selbstredend sind Gaimans Konzepte keiner strengen Logik unterworfen und dienen der allgemeinen Motivation und Inspiration von werdenden Schaffenden. Aus einer rein pragmatischen Sicht erscheint die vollständige Diminuierung wirtschaftlicher Faktoren gar naiv.


Andererseits ist die idealistische Herangehensweise mit so vielen praktisch umsetzbaren Tipps gemischt, dass die Idee der Steuerung der Eigenexistenz im Sinne einer reinen Begeisterung für die Kunst an sich gar nicht so unrealistisch erscheint – zumal die anfänglich sehr vage gestalteten Konzepte in vielen Fällen doch unerwartet persönliche, tiefgründige Resonanz erzielen konnten.


Die Dinge, die ich aus purer Begeisterung tat
und die ich in etwas echtes umsetzen wollte, haben mich
nie enttäuscht, und ich habe nie bedauert,
Zeit in sie gesteckt zu haben.“1


Die textuelle Erfahrung macht die Hälfte der Freude aus, die diese Lektüre erzeugt:

Chris Riddells hervorragende Zeichnungen dienen als wunderschöne Ergänzungen zu Gaimans Gedanken und Reflexionen.

Des Öfteren drücken sie mit einer bemerkenswerten Genauigkeit die Emotion dessen aus, was aus Gaimans Worten zwischen den Zeilen erklingt. Sie sind technisch fortgeschritten und realistisch, aus einer kompositorischen Sicht eher minimalistisch: nur das Notwendige wird gezeichnet und gezeigt.


Diese Entscheidung sowie die farblose Bleistift-Ästhetik und die etwas Märchenhafte Gestaltung der freundlichen Bilder (die mich zeitgleich an A. A. Milne, Charles M. Schulz und Ilon Wikland erinnerten – und doch eine ganz eigene Persönlichkeit besitzen) verleihen den Texten eine anfänglich sanft klingende Stimme.

Diese wird im Laufe der Lektüre jedoch immer stärker und klarer – bis sie die Leserschaft schrittweise mit warmen Wellen des Zuspruchs und der Motivation auffüllt.


Besonders als schaffende Person, doch auch in der Funktion einer allgemein motivatorisch-inspirierenden Lektüre empfinde ich „Kunst ist wichtig“ als sehr gelungen.

Somit spreche ich für alle diejenigen kreativen Gemüter eine Leseempfehlung aus, die sich auf der Suche nach Aufheiterung, Ermutigung oder Bestätigung befinden.

1 – da das Buch keine Seitenzahlen hat, können über die bibliographischen Angaben hinaus keine Quellenbelege zur Verfügung gestellt werden.

Hier geht’s zur Leseprobe.

Bibliografie:

Titel: Kunst ist wichtig
Autor:in: Neil Gaiman, Chris Riddell
Übs.:in: Rainer Schumacher, Ruggero Leò, Dominique Pleimling

111 Seiten | 12,00 € (D)

Erscheinungsdatum: 28.01.2022
Verlag: Eichborn
ISBN: 978-3-8479-0114-3

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