Die Montagsfrage #66 — Können Autor:innen in mehreren Genres brillieren?

Die Montagsfrage ist ein Dialog, der allerlei Themen bezüglich diverser Aspekte des Literaturbetriebs umfasst. Die Frage wird wöchentlich gestellt von Antonia bei Lauter&Leise.

Heute setzen wir uns mit der Endgültigkeit der Genreauswahl von literarisch schaffenden Personen – und den mit der Erkundung neuer literarischer Landschaften verbundenen Risiken – auseinander.


Ich habe mir mal wieder eine Frage aus der Backlist der unbeantworteten Montagsfragen geschnappt und möchte heute mit euch darüber sprechen. Auch Deine Meinung zum Thema ist gesucht!

Die Montagsfrage #66 lautet: Können Autor:innen in mehreren Genres brillieren?

Kurz und knapp: Ja, aber nicht jede:r Autor:in.
Dabei belassen wir es jetzt natürlich nicht, das war hoffentlich klar. 😉

Es gibt zahlreiche Autor:innen, die genau das, was sie machen, sehr gut können und beherrschen. In der Regel sind die meisten Schaffenden sowieso mit mehreren Gattungen beschäftigt: beispielsweise schreiben sie Romane und Kurzgeschichten; Bühnenstücke und Drehbücher; Romane und Lyrik und so weiter.

Über Genres sprechen wir an dieser Stelle im Sinne von Krimi, Fantasy, Science Fiction, Thriller, Komödie, historischer Roman, Liebesroman usw. – diese Klarstellung gehört im Deutschen immer ins Vorfeld, da die Begriffe „Genre“ und „Gattung“ nicht klar voneinander getrennt werden können.

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Was nun die Genreüberschreitung betrifft: Persönlich faszinieren mich bei Neuerscheinungen gerade diejenigen Autor:innen, die traditionelle Genres vollständig sprengen.

Wenn ich an meine literarischen Lieblinge aus dem 19. oder 20. Jahrhundert anschaue, sind diese meistens klar einem Genre zuzuordnen und brillieren in diesem – entweder ganz oder gar nicht. Allerdings hängt diese Feststellung auch mit der traditionellen zeitgenössischen Gesellschaft und ihren Strukturen zusammen: jegliche Berufe, akademische Laufbahnen und sogar Hobbys waren in früheren Zeiten eher spezialisiert als bereichsübergreifend. Um das mal ganz grob formuliert zu haben 😉

Autor:innen, die heutzutage in ihrer literarischen Spur bleiben sollten, sind meines Erachtens am ehesten diejenigen, die sich mit engeren Genres wie Krimi oder historischer Liebesroman beschäftigen. Die Bücher haben einen Unterhaltungswert, gehören jedoch ganz klar einer gewissen Spalte der Genrelandschaft an – und derdie Autor:in bleibt auf der sicheren Seite, wenn ersie sich nicht aus dem gewählten Genre hinausbewegt.


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Daher würde ich behaupten, dass in puncto Unterhaltungsliteratur die Autor:innen meistens bei ihren Leisten bleiben und dies auch tun sollten, weil diese Genres auch ein dementsprechend interessiertes Publikum kultivieren.

Die Romane, die meistens in diesem Blog besprochen werden, sind allerdings des Öfteren schon aufgrund ihrer Komplexität Mischformen unterschiedlicher Genres. Am besten kommt in der Handlung ein bisschen Thriller, zwischen den Figuren eine Prise Liebesgeschichte und im Inhalt eine gute Portion Sozialkritik vor. Reflektiert, spannend und emotional – das kann man dann gar nicht mehr einem Genre zuordnen. Beispielsweise bei Ottessa Moshfegh spreche ich darüber, wie sie die Grenzen von traditionellen Genres sprengt.


Großartige Autor:innen brillieren in vielen Genres. Vor kurzem war hier von einer erhellenden Essaysammlung des weltbekannten Roman- und Drehbuchautoren Ian McEwan die Rede; Margaret Atwood hat in jedem Genre, das sie berührt, immensen Erfolg – und das auch zurecht. Viele andere könnte ich nennen – ihr könnt gerne in den Kommentaren die Liste ergänzen.

Es gibt andererseits auch genügend Autor:innen, die gerne und gezielt in einem Genre brillieren. Dies sei ihnen ebenso überlassen – am Leser verleibt der Genuss guter Lektüren.

Ich freue mich dennoch, wenn aus der Feder einer Person, die ich verehre und deren Werdegang ich aktiv verfolge, etwas vollständig Unerwartetes entsteht. Die damit verbundenen Risiken, sich in einem Genre nicht zurechtzufinden und Stammpublikum zu reduzieren, nehmen Künstler:innen eh mit jedem neuen Werk in Kauf.


Wie stehst Du zu dem Thema? Welche Autor:innen kennst Du, die in mehreren Genres Erfolg hatten – und welche sollten lieber bei ihrer bewährten Formel bleiben?

Auf Deine Gedanken ein den Kommentaren freue ich mich.


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  1. Moin Sandra!

    Ich finde es absolut konsequent von Dir, dass Du, wenn eine aktuelle Frage Dir – aus welchen Gründen auch immer – nicht zusagt, einfach eine der vergangenen Fragen nimmst, diese beantwortest und uns so trotzdem etwas zu Lesen gibst. Vielen Dank!

    Mit dem Gedanken „Was habe ich denn damals dazu geschrieben?“ hast Du mich zudem animiert, meine damalige Antwort nochmals zu lesen…!

    Lieben Gruß
    Andreas

    https://andreaskueckleselust.com/2020/01/13/montagsfrage-66-koennen-autoren-in-mehreren-genres-brillieren/

    Gefällt 1 Person

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