Die Montagsfrage #108 – Sind Buch-Adaptionen in der Form von Miniserien vielleicht besser als Buch-Adaptionen in der Form von Filmen?

Die Montagsfrage ist ein Dialog, der allerlei Themen bezüglich diverser Aspekte des Literaturbetriebs umfasst. Die Frage wird wöchentlich gestellt von Antonia bei Lauter&Leise.

Diesmal geht es um Buch-Adaptionen und unterschiedliche Möglichkeiten für ihre Umsetzung.


Die Montagsfrage lautet: Sind Buch-Adaptionen in der Form von Miniserien vielleicht besser als Buch-Adaptionen in der Form von Filmen?

Ich möchte mich an dieser Stelle herzlich bei Antonia bedanken, die sich diesmal für meinen Ansatz als Inspiration der Montagsfrage entschieden hat!

Diese vorsichtige „vielleicht“-Formulierung ist für den Ton der Fragestellung ganz passend hinsichtlich der Tatsache, dass die allgemeine Notwendigkeit von Buchadaptionen eine diskutable Frage ist. Zahlreiche Buchadaptionen sind qualitativ nicht viel Wert und unterliegen stark dem Aspekt der Geldmacherei. Statistisch gesehen war das früher eher die Regel als die Ausnahme. Buchadaptionen gibt es bereits seitdem es Filme gibt, und die Ausbeutungstaktiken von Hollywood haben häufig dazu geführt, dass die Filmversion nichts mehr mit der Buchversion zu tun hat.

Unmengen an Filmen aus den 90er Jahren wurden von Büchern als zuschauerfreundlich adaptiert und bis zur Unkenntlichkeit zugeschnitten, als Paradebeispiele sind Pretty Woman (1) (2) oder Forrest Gump (3) zu nennen.

Andererseits gibt es auch unter den älteren Beispielen genug Bücher, denen die Filmadaptionen einiges an zeitgenössischem Kontext oder interessanten Ergänzungen hinzugefügt haben, wie die Figurenänderung in Jackie Brown oder die Perspektivenänderung in Trainspotting.


Was nun den Aspekt von Serien und Miniserien betrifft, ist in den letzten Jahren ein erheblicher Wandel bezüglich der Qualität geschehen.

TV-Serien galten noch vor einigen Jahren als oberflächliche Unterhaltung ohne qualitativen Anspruch. Daily Soaps, Sitcoms und Telenovelas waren das, was im Fernsehen lief, Rollen in solchen Formaten galten eher als vorübergehender Schritt auf dem Weg zur Karriere als „ernstzunehmendes“ Talent.

Mittlerweile haben Serien jedoch einen immensen qualitativen Sprung gemacht. Skurrilere oder progressivere Projekte werden eher angenommen, was zur Diversität der Serienformate beiträgt. Die Verlagerung vom Serienkonsum auf individuelle Bedürfnisse vervielfältigt überdies die Nachfrage und dadurch das Angebot an Inhalten und Formaten.

Junge und neue Talente haben die Möglichkeit, sich durchzusetzen. In jeglicher Hinsicht stellt die Filmbranche also nicht mehr die erste Anlaufstelle für gute Adaptionen dar.

Es gäbe an dieser Stelle diverse Beispiele, die in jedem Einzelfall auf unterschiedliche Aspekte hin durchdiskutiert werden könnten.

Folgend ein paar Miniserien, die ich selber bereits geschaut habe.

The Queen’s Gambit. In jeglicher Hinsicht eine gelungene Serie. Die Handlung wurde gut auf die Folgen aufgeteilt, die Spannung wurde ebenso gut durch die Folgen hindurchgetragen, zudem war die schauspielerische Leistung der Protagonistin bemerkenswert und die visuelle Umsetzung des Ganzen hervorragend. Allerdings habe ich hier nicht das Buch gelesen, um einen Vergleich zu ziehen.

Little Fires Everywhere. Ein wunderbares Beispiel für inhaltliches und thematisches Material, das sich für zeitgenössische Zuschauer anders interpretieren lässt, Figuren aus einer anderen Perspektive zeigt und doch nichts von dem Buchmaterial vernachlässigt oder die Kernaussagen verändert. Beide Varianten habe ich gesehen/gelesen und eine positive Meinung behalten.

Lovecraft Country. Die Adaption einer Sammlung an Kurzgeschichten in eine Serie, die jeder Kurzgeschichte gerecht wird und doch einen Zusammenhang zwischen den Folgen behält. Auch in diesem Fall eine gut gelungene Adaption.


Meines Erachtens ist es grundsätzlich gut für ein Buch, wenn es zu einem visuellen Medium verwandelt wird, da einerseits mehr Aufmerksamkeit für das Buch selber, den Autor und die Thematik aufkommt (siehe The Queen’s Gambit und die steigende Beliebtheit von Schach, kann ich auch als mittelmäßige gelegentlich Schach Spielende nur unterstützen; oder die Illustration der historischen Kontexte der Black-Lives-Matter-Thematik durch Lovecraft Country, zieht durch Fantasy-Elemente breiteres Publikum an, behandelt enorm wichtige Ereignisse und Entwicklungen im Gleichheitskampf von Afroamerikanern).

Es stellen sich eben Fragen wie: Wie kann die Qualität des Formats aufrecht erhalten werden? Folgen die Macher inhaltlich den Ideen des Autors? Wie können Erweiterungen des Materials und der Inhalte konfliktfrei herbeigeführt werden? In diesen Fällen wird bei neuen Serien sehr oft der Autor selbst zurate gezogen, um Authentizität zu bewahren. Siehe Der Report der Magd oder Normale Menschen (4).

Meinen Eindrücken zufolge ist das Format der Miniserie auch im Gesamtvergleich die beste Option, denn bei einer mehrstaffeligen, längeren Serie kann vieles grundlegend geändert werden – oder es werden wegen (leider auch weiterhin vorhandener) Geldmacherei zu viele Staffeln gedreht, die die Geschichte unnötig hinauszögern oder vollständig ruinieren. Siehe True Blood oder Game of Thrones.


Da Hollywood einer grundlegenden Veränderung nahesteht – jetzt umso mehr aufgrund der Pandemie – ist die Miniserie in den meisten Fällen die beste, die ehrlichste und die qualitativ hochwertigste Variante für eine Buchadaption.

Wie diese Adaptionen am besten konzipiert, geschrieben und durchgeführt werden sollten, unterliegt allerdings dem Individualbeispiel.


Und nun freue ich mich auf eure Meinungen zum Thema, ebenso wie auf eure Beispiele für besonders gute oder schlechte Adaptionen.

Eure Resonanz in den Kommentaren ist heiß erwartet!


(1) n-tv.de: So düster sollte „Pretty Woman“ enden
(2) Wikipedia: Pretty Woman
(3) Digital Spy: 8 hit movie adaptations that made huge changes to the original story
(4) IndieWire: Sally Rooney and Lenny Abrahamson Made a Daunting Adaptation a Sweeping Success

Literary Escapades. Cages we Build for Ourselves: Thoughts on Margaret Atwood
Literary Escapades. ‘Little Fires Everyhwere’: A unique adaptation from book to series


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  1. Ich würde dir dabei zustimmen, dass mehrstaffelige Serien das Buch fast immer viel zu sehr entstellen, zu sehr ausdehnen und dann immer mehr hinzudichten müssen um noch die Sendezeit zu füllen, auch wenn der Inhalt des Buchs schon erschöpft ist – ein Beispiel das mir dazu noch einfällt ist American Gods. Wobei Gleiches natürlich auch bei Filmen passieren kann und passiert, siehe The Hobbit.

    Weitere Beispiele für (zumindest meiner meiner nach) gelungene Mini-Serien sind die Stephen King TV-Adaptionen von The Stand (4 Episoden) und IT (2 Episoden), auch wenn sich heute das Alter der beiden schon deutlich bemerkbar macht. Einige andere Stephen King Miniserien sind hingegen absolut furchtbar (Tommyknockers oder Bag of Bones als richtig schlechte Beispiele).

    Ob Mini-Serien gegenüber Filmen aber die bessere Wahl darstellen kann ich pauschal so nicht beantworten, da mir auch bei Filmen sowohl sehr gelungene Adaptionen (z.B. Lord of the Rings, Fight Club, Shawshank Redemption) als auch absolut missratene Versuche (The Hobbit, The Dark Tower, usw) einfallen.

    Gefällt 1 Person

    • Danke für die Ergänzungen! Ich hatte kurz überlegt, konkret zu King zu schreiben, aber das wäre echt einen eigenen Beitrag wert. 😉
      Absolut deiner Meinung auch in puncto schwierig zu beantworten, es kommt eben auf die individuellen Bücher und Geschichten an. Daher auch der Schluss, dass die Miniserie die zurzeit qualitativ beste Lösung wäre, da sie einen großartigen Aufstieg erlebt, und ich finde das an sich super, als Zuschauer. Aber sobald jemand weitere Beispiele bietet, sind die eigentlichen Lösungen wieder vollständig individuell.

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  2. Moin Sandra!

    Irgendetwas ist da mit Deinem Beitrag passiert, oder sehe ich jetzt doppelt oder dreifach…???
    Aber Du hattest ja schon erwähnt, dass wordpress diesmal extrem herausfordernd war.

    Lieben Gruß
    Andreas

    Gefällt 1 Person

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