Die Montagsfrage #100 – Welche Frage würdet ihr in Zukunft gern gestellt sehen?


Die Montagsfrage ist ein Dialog, der allerlei Themen bezüglich diverser Aspekte des Literaturbetriebs umfasst. Die Frage wird wöchentlich gestellt von Antonia bei Lauter&Leise.

Zum Fragerunden-Jubiläum hat die Bloggerin sich – ironischerweise nach meiner ersten Woche der Beteiligung – nach zukünftigen Montagsfragen erkundigt, die andere gerne stellen würden. Diesem Ansatz gehe ich jedoch aus einer ganz anderen Perspektiven auf den Grund.



Als Neuling im Dialog sehe ich diese Woche eher als Chance für einen Rückblick auf bereits beantwortete Montagsfragen, um daraus die für mich interessantesten Anregungen zu finden, Bilanz und Weiterführendes herauszuarbeiten. Also formuliere ich die Frage eher neu als: Welche Montagsfragen beschäftigen mich am meisten?

Begleitend dazu gibt es hier alle Montagsfragen auf einen Blick.

Aus der Gesamtheit der Diskussionspunkte stachen für mich sieben Fragen hervor, von denen aus drei Themen auch Folgefragen ergrübelt worden. In der Liste aller Montagsfragen sind sie unter der korrespondierenden Nummer auffindbar.


#2 Ist Hörbuch-Hören für dich mit ’klassischem’ Lesen gleichzusetzen? Oder ist beides für dich grundverschieden?

In diesem Zusammenhang baut sich vor mir sofort der gesamte Themenblock „Print- versus E-Buch“ auf – und mein Anreiz wäre es weiterführend mit euch darüber zu reden, ob man nicht die allgemeine Leserschaft flexibilisieren könnte, wenn man zum Kauf eines Hardcovers wahlweise E- oder Hörbuch anbietet. In der Musikbranche ist das eine bewährte Strategie.

Ich persönlich höre nur Sachbücher; für Romane reicht meine auditive Aufmerksamkeitsspanne nicht aus, also im Rahmen dieser Frage: grundverschieden.

Es war bereits zu meiner Zeit an der Universität so, dass ich mich auditiv nicht wirklich auf Informationsannahme konzentrieren konnte, wenn ich keine Notizen machte. Die visuelle – und womöglich auch die haptische – Aufnahme war für mich dabei wichtiger, als etwas zu hören.


Daher ist es mir möglich, für passive Tätigkeiten wie routinierte Gartenarbeit oder einen Spaziergang ein Sachbuch oder ein YouTube-Video zu hören, in dem Informationen auf eine leicht aufnehmbare Art und Weise strukturiert und erörtert werden.

Bei Romanen und Belletristik geht es mir jedoch primär um die Art der Konstruktion, Komposition, Stil und Wortwahl im Allgemeinen und Genauen – alles Dinge, die sich aus einem Hörbuch, zumindest für mich persönlich, kaum extrahieren lassen.

Deswegen kann ich wenn, dann nur E-Bücher lesen, nicht hören.


#3 Gab es schon einmal einen auf einem Buch basierten Film, den du besser fandest als das Buch?

Hier könnte man angesichts der Veränderungen in der Medienlandschaft und des qualitativen Anstiegs von Serien über Buch-Adaptionen als Miniserie grübeln, was wiederum eine ganz andere Welt ist als die der Filme. (Gesehene Beispiele wären u.a. die Buchadaptionen von Big Little Lies, Little Fires Everywhere, American Gods oder Lovecraft Country.)

Meine favorisierten Filme für solche Vergleiche sind Yann Martels Schiffbruch mit Tiger und Bret Easton Ellis‘ American Psycho, wo ich in beiden Fällen davon überzeugt bin, dass der Film das Buch übertrifft. Allerdings heben Filme und Bücher sehr oft unterschiedliche Aspekte von gewissen Szenen hervor, die anderen Prioritäten nachgehen, und diese Entscheidungen können somit bewirken, dass eine andere Geschichte erzählt wird.

Ich habe in beiden Fällen den Film als erstes gesehen und danach im Buch nach dem Film gesucht. Üblicherweise sucht man nach dem Lesen im Film nach dem Buch. Meines Erachtens sind beide Vorgehensweisen unklug.



#21 Bist du ein Einmal- oder Mehrmals-Leser?

An dieser Stelle stellt sich für mich eher die Frage, zu welchen Büchern man zurückkehren möchte, und ob sich die Meinung zu einem gewissen Roman beim nochmals lesen geändert hat (in meinem Falle wären das Paradebeispiel Dostojewskis Romane Der Idiot und Schuld und Sühne – ihre Rollen und Bezug zueinander haben sich für mich bei jedem Lesen vollständig verwandelt). Diese Änderungen können mit der Entwicklung des eigenen Geschmacks in puncto Stil, Inhalt, gattungsspezifischen Vorlieben oder anderen Neuerungen in Verbindung stehen.

Es ist meiner Meinung nach absolut imperativ, sich als Mensch weiterzuentwickeln. Die besten Beziehungen – bezogen auf Lebenspartner und Freundschaftskreis gleichermaßen – gewinnen zunehmend an Qualität, wenn alle Beteiligten sich dynamisch weiterentwickeln, neue Erfahrungen machen und neue Orte in ihrer inneren und äußeren Realität erkundigen.


So verhält es sich auch mit einem guten Buch: Man kann diesem als neue, reifere, interessantere und tiefblickendere Person begegnen – solange es ein gutes Buch ist, wird es sich mit dir weiterentwickeln und dir mit jeder Leseerfahrung neue Einsichten bieten.

Insofern bin ich dann, um die Frage kurz zu beantworten, Mehrmals-Leser. 😉


Ob eine meiner Folgefragen es in die Besprechung schafft, bleibt abzuwarten. Doch freue ich mich auf eure Resonanz bzgl. des oben Besprochenen in den Kommentaren! 🙂


Antonias Beitrag zur Montagsfrage #100 findet ihr hier.


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Kategorien:Home, MoFra

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  1. Interessant. Meine Meinungen dazu:

    #2 mir geht es genau anders mit Hörbüchern: gefühlt habe ich mehr Informationsaufnahme bei (gut gemachten) Hörbüchern, weshalb ich auch immer häufiger dazu tendiere, bei Sachbüchern ohnehin, aber auch immer stärker bei Belletristik. Wichtig ist hierbei aber das Umfeld: bei Tätigkeiten die Aufmerksamkeit erfordern wäre ich auch nicht in der Lage alle Informationen aufzunehmen, aber ein Spaziergang auf bereits bekannter Strecke ist optimal. Insofern nicht gleichzusetzen, aber beides hat seine Stärken, auf die man sich allerdings einlassen muss.
    #3 stimme dir zu bei American Psycho, ich würde noch (sicherlich kontrovers) Red Dragon und Fight Club hinzufügen
    #21 definitiv Mehrfachleser, und stimme dir voll zu. Denke ein gutes Buch reflektiert auch immer die persönliche Entwicklung des Lesers – insofern ist (vorausgesetzt eine persönliche Entwicklung hat stattgefunden) ein Buch ein zweites Mal Jahre nach dem ersten lesen gelesen auch ein „anderes“ Buch – und diese Veränderung kann zum Guten oder Schlechten passieren, was das Ganze noch spannender macht.

    Gefällt 1 Person

    • Danke für das Kommentar! Es ist ungemein spannend, wie bei Menschen die Sinne in unterschiedlichem Maße entwickelt sind und wer auf welche Art und weise besser Informationen annehmen kann. Es lässt sich natürlich bestimmt daran arbeiten, doch warum raus aus der Komfort-Zone? 😉

      Zum Mehrfach-Lesen: mir ist selten ein Buch über wen Weg gelaufen, das seinen „Reiz“ beim zweiten Lesen verloren hat, das ist auch noch eine interessante Seite dieser Frage.

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  2. Moin Sandra!

    Eine sehr interessante Möglichkeit, die Montagsfrage für sich auszulegen und absolut legitim!
    Ich handhabe es manchmal ebenso: Manchmal ist die Frage (für mich!) nicht eindeutig gestellt oder völlig andere Assoziationen werden bei mir ausgelöst. Dann erlaube ich mir die Freiheit, die Frage in meinem Sinne zu beantworten.

    Schön, dass Du den Weg zur Montagsfrage gefunden hast!

    Viele Grüße
    Andreas

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    • Hallo Andreas, danke für das Kommentar. 🙂 Ich finde es eben über die Montagsfrage hinaus klasse, dass so viele Gesichtspunkte und Weiterentwicklungen aus der einen Frage entstehen, wenn die anderen Blogger da mitmachen und den gesamten Ansatz weiterentwickeln. Da ist dann doch die Frage nicht das Wesentliche, sondern eben die Antworten. Und jetzt gehe ich mir gleich mal Deine anschauen 😉
      Lieben Gruß,
      Sandra

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  3. Liebe Sandra und willkommen in unserer Runde!

    Deine Fragen sind super und ich hoffe, sie werden von Antonia übernommen. Deswegen spare ich mir die Antworten erstmal, denn sie sollten wohl überlegt sein, obwohl ich die Antworten zum Teil schon im Kopf habe.

    Liebe Grüße
    Tina

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  4. Hallo Sandra!

    Mit kurzer Verspätung sage ich auch noch mal persönlich ’Willkommen in der Runde’ auf deinem eigenen Blog. Schön, dass du bei der Montagsfrage dabei bist! Vielen Dank für deine tollen Anregungen, ich habe daraus ein oder zwei Fragen gesponnen, die sicher sehr spannend zu beantworten sein werden.

    Alles Liebe und bis hoffentlich Montag,
    Antonia

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