Die Montagsfrage #54 – Was haltet ihr von Buchcommunities?

Die Montagsfrage ist ein Dialog, der allerlei Themen bezüglich diverser Aspekte des Literaturbetriebs umfasst. Die Frage wird wöchentlich gestellt von Antonia bei Lauter&Leise.

Heute geht es um die Vielfalt, Besonderheiten, Vorzüge und Nachteile von Buchcommunities.


Aus gegebenem Anlass bieten sich erneut ältere, von mir noch unberührte Montagsfragen zur Diskussion an. Glücklicherweise habe ich noch eine relativ lange Backlist an Fragen zur Verfügung, die ich hier nach und nach ausschöpfen kann.

Es ist darüber hinaus auch interessant, mal einen allgemeinen Rückblick auf die eigenen Antworten zu machen und zu überprüfen, ob die heißt vertretene Meinung auch weiterhin dieselbe ist – eventuell nehmen diejenigen, die länger bei der Montagsfrage mitmachen, dies ja als Anstoß und lassen ihre Eindrücke in den Kommentaren da.

Somit beantworte ich heute die folgende Frage:

Was haltet ihr von Buchcommunities wie Goodreads oder Lovelybooks?


Die konkrete Frage in dieser Formulierung kann ich nur zu fünfzig Prozent beantworten, da ich zwar seit langer Zeit Mitglied bei Goodreads bin und die Plattform gerne nutze, Lovelybooks allerdings nur vom Namen her kenne und es mir persönlich vom ersten Eindruck her (lediglich auf den ersten Blick auf die hervorgehobene Literaturauswahl, ohne es weiter erforscht zu haben) nicht zusagt.

Goodreads ist eine massive Plattform mit einer riesigen Datenbank. Die Bücher können in einer persönlichen Leseliste gespeichert, rezensiert, archiviert und in diversen Foren besprochen werden. Man kann nach Zitaten suchen, sich mit anderen Lesern austauschen und unterschiedliche Ausgaben der Bücher anschauen. Die Goodreads-Community verleiht ihre eigenen Buchpreise und hat eine eigene App. Ebenso kann man den eigenen Lesefortschritt aktualisieren und teilen, ein Regal mit Lieblingsbüchern einrichten und sich eine Leseherausforderung für jedes Jahr stellen.

Es ist quasi alles dabei, was man sich von einer Buch-Community wünschen würde. Allerdings benutze ich Goodreads vorwiegend als Datenbank meiner gelesenen Bücher, denn die Foren und Gruppen sind mild gesagt ein wenig unübersichtlich gestaltet und zu zahlreich, als dass man da einen richtigen Durchblick bekommt. Wer an Community-Leserunden interessiert ist, wird bei den Gruppen sicherlich fündig. Der Dialog im Bereich Rezensionen und Bloggergruppen hält sich allerdings in Grenzen.


Großartig ist die Anzahl und Vielfalt an Buchcommunities. Es gibt Nischen für jede Altersgruppe, jedes Genre und jede Form des Austausches für Bücherfreunde. Es gibt Verlosungen, Autorenrunden, Blogger-Communities und Leserforen. Man muss sie nur finden.

Clever-bloggen bietet eine Liste mit 25 Bücherforen und Communities, in der auch Veranstaltungen wie Litcamp und die großen Buchmessen aufgeführt sind. Davon sind einige wieder inaktiv geworden, dennoch sind die wichtigeren Communities hier vorhanden.


Was sind die Vorteile von Buchcommunities? Der aktive Austausch mit Gleichgesinnten, die Möglichkeit, eigene Gedanken und Meinungen mit Interessierten zu teilen, kompetente Empfehlungen für neues Lesematerial von Menschen, die den eigenen Geschmack teilen.

Es gibt zudem zahlreiche Communities mit regelmäßigen Buch-Verlosungen wie Vorablesen. (Wenn Du für die Registrierung für Vorablesen über diesen Link meinen Code verwendest, sammeln wir beide Extrapunkte für ein Wunschbuch!) Dort sind die neuesten Leseproben direkt erhältlich, ohne sie auf den Verlagsseiten suchen zu müssen, und für den Preis von einer auf zwei Plattformen geteilte Rezension gibt’s gratis Bücher satt.


Haben Buchcommunities auch Nachteile? Leider ja, denn sie sind dennoch in den wenigsten Fällen so individualistisch motiviert, wie der Idealfall es vorsieht. So passiert es auch auf Verlosungsplattformen, dass im Leseeindruck oft lediglich der Klappentext wiedergegeben wird, um in den Lostopf zu kommen, und dass die Vielzahl der verfügbaren Büchern geradezu den Zwang nach einer ständigen Zufuhr an neuen Büchern erzeugen, da der gesunde Menschenverstand gutem Matketing nicht gewachsen ist.


Auch als Bloggerin und Rezensentin kämpfe ich ab und zu mit dem Impuls, mir nicht ständig neue Bücher zu wünschen – denn ich möchte hier auch Klassiker des 19. und 20. Jahrhunderts besprechen. Allerdings macht der riesige Strom an vielversprechenden Neuerscheinungen mir die Sache nicht gerade einfach. Deswegen lese ich vor der Anfrage ausnahmslos immer die Leseprobe und lasse mich weder vom Hype noch von hübschen Buchcovern beeinflussen.

Buchcommunities sind eine großartige Erfindung und repräsentieren definitiv die bessere Seite des Internets. Sie helfen bei der Vernetzung, informieren über interessante Neuerscheinungen und können sowohl nützliche Verbindungen zu Verlagen und Mentoren als auch echte Freundschaften vermitteln.

Dennoch sollte ein jeder sich seine Meinung kritisch und reflektiert bilden und sich nicht von der bunten Vielfalt einer neuen Umgebung mitreißen lassen, ehe die Anzahl an Trendthemen ihn verschluckt und die eigenen Vorlieben zugunsten einer Herdenmentalität erheblich reduziert.


Was haltest Du von Buchcommunities? Zu welchen Communities gehörst Du bereits und welche Erfahrungen hast Du dort gemacht? Auf Deine Resonanz freue ich mich in den Kommentaren.

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  1. Ich gehöre zu keiner Community, benutze aber auch Goodreads, allerdings lediglich zur Organisation meiner Bücher, insbesondere um auf einen Blick die Bücher vor mir zu haben, die ich zwar besitze (in Buch- oder Hörbuch-Form), aber bisher noch nicht gelesen habe.

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  2. Ich hab Lovely Books eine ganze Weile genutzt. Da gab es durchaus auch sehr aktive Gruppen und Nischen-Communitys. Aber dann kam eine Umstrukturierung und plötzlich verschwanden über Jahre gewachsene Gruppeninhalte. An der Stelle hab ich meinen eigenen Blog gestartet, denn dann sind die Rezensionen zumindest bei mir gehostet und gehen mir langfristig nicht verloren. Aber grundsätzlich finde ich die Communitys gut, denn über Leserunden und ähnliches kann man sich gut austauschen. Kostet aber auch alles sehr viel Zeit 🙂

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