Jahreshighlights 2022: Belletristik

Heute möchte ich im zweiten Teil der Jahreshighlights 2022 das endende Jahr ausklingen lassen und Dir meine Top 12 der gelesenen belletristischen Werke aus dem vergangenen Lesejahr vorstellen.


Ein weiteres spannendes und vielfältiges Lesejahr mit vielen bleibenden Eindrücken und Schmökerstunden neigt sich dem Ende. Im heutigen Beitrag lasse ich die literarischen Lichtblicke der vergangenen zwölf Monate Revue passieren.

Im Folgenden liste ich die entsprechenden Bücher in der Reihenfolge der Lektüre auf – eine Hierarchie stellt diese Liste also in keinerlei Hinsicht dar.

Die Titel sind als klickbare Links gestaltet, über die Du gerne entsprechende Beiträge in voller Länge direkt in einem neuen Tab aufrufen und lesen kannst.


Anthony Doerr: „Wolkenkuckucksland“


Anthony Doerr spannt in seinem neuesten Roman „Wolkenkuckucksland“ außerordentlich ambitionierte kompositorische, temporale und inhaltliche Bögen.

Die Geschichte handelt von allgemeinmenschlichen, generationenübergreifenden Themen wie Macht, Liebe, Integrität und Hoffnung – und nimmt sowohl historisch als auch geographisch einen enormen Raum ein.

Die Exposition führt Lesende nach Konstantinopel im Jahr 1453; in eine Bibliothek in Idaho in den 1940er und 50er Jahren – und in ein Raumschiff in der Zukunft, auf dem Weg zu einem Exoplaneten.

Das mag auf den ersten Blick nach viel, verworren und verwirrend klingen.

Allerdings geht Doerr so sorgfältig und geschickt an seine Figuren und sein Material ran, dass die Lektüre ab Seite eins bis hin zu Seite fünfhundertdreißig vollständig fesselt, mitnimmt und in die tiefsten emotionalen Winkel vordringt.

Die Progatonist*innen sind Kinder an der Schwelle zum Erwachsenwerden – hier können beispielsweise Stephen King-Fans oder Freund:innen von Carlos Ruiz Zafón die Ohren spitzen, denn sowohl die einzelnen Figurenporträts als auch ihre Schnittflächen zeichnet Doerr mit scharfem Auge für das jeweilig individualistische und zeitgleich in Anbetracht der in jedem der Figuren zu findenden allgemein- und zwischenmenschlichen Materie.

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Sofi Oksanen: „Hundepark“


© KiWi

Sofi Oksanen wird seit der Veröffentlichung ihres dritten Romans „Fegefeuer“ (Puhdistus, 2008) nicht nur in Finnland und Estland, sondern auch auf der deutschsprachigen Literaturlandschaft zu den wichtigsten Vertreterinnen der europäischen Gegenwartsliteratur gezählt.

Die gehaltvollen Romane der Autorin handeln von diversen Momenten aus der sowjetischen Geschichte, soziopolitischen Entwicklungen in Estland und Finnland – im Vordergrund ihrer Bücher steht jedoch vor allem die Unterdrückung und Misshandlung, die den weiblichen Teilen dieser Gesellschaften und Staaten zuteilwird.

Beispielsweise in „Fegefeuer“ wird die komplexe Beziehung zwischen einer alten Bäuerin und einem jungen Mädchen auf dem Hintergrund der Umbruchszeiten im sowjetischen Estland auf eine mitreißende Art und Weise durchleuchtet.

Gewiss hatte ich zu Beginn der Lesereise mit „Hundepark“ eine entsprechende Erwartungshaltung im Gepäck. Kann der neue Roman über die Machtverhältnisse der Fruchtbarkeitsindustrie in der Ukraine mit Oksanens bekanntestem Werk mithalten – oder sind Vergleiche an dieser Stelle unzulänglich?

Direkt hervorzuheben und zu loben gilt es die stilistische Umsetzung des Romans – und somit auch die Leistung von Oksanens langjähriger Übersetzerin Angela Plöger.

Bereits der erste Abschnitt der Geschichte, die im Jahr 2016 in Helsinki spielt, deutet Spannung, emotionale Komplexität und anstehenden Nervenkitzel an.

Auch in diesem Roman wird eine komplexe Gegenüberstellung von zwei Protagonistinnen entworfen – deren Dynamik sich in diesem Fall frei zwischen Mordlust und Geschwisterliebe bewegt.

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Fatma Aydemir: „Dschinns“


© Hanser

Fatma Aydemir hat mit „Dschinns“ sowohl einen Familienroman als auch einen Gesellschaftsroman geschaffen.

„Dschinns“ handelt von einer sechsköpfigen Familie mit kurdischen Wurzeln, deren Familienvater als Gastarbeiter in den 1960er Jahren mit einem Traum nach Deutschland gekommen ist.

So erfahren Lesende im ersten Kapitel, wie Hüseyin sich nach dreißig Jahren als Gastarbeiter in Deutschland endlich eine Wohnung in Istanbul kaufen konnte und sich nun dort in Erwartung seiner Familie auf den Ausklang seiner Lebensjahre freut.

Hüseyin ist bereits dabei, sich die schönen Stunden mit seinen Kindern und seiner geliebten Ehefrau im geistigen Auge zurecht zu legen – als er plötzlich ein furchterregendes Geschöpf erhascht.

Nur für einen Moment spürt Hüseyin den Dschinn in seiner Gegenwart – und schon hat er seinen letzten Atemzug auf dieser Erde genommen.

Eilig machen sich seine Ehefrau und vier Kinder auf den Weg aus Deutschland nach Istanbul – denn der Brauch besagt eine Beerdigung am Folgetag.

Warum schaffen es jedoch nur einige der Geschwister zur Beerdigung? Wer sollte eigentlich noch vor Ort sein – und wer wird zum Ende der Handlung immer noch vermisst?

Was waren Hüseyins letzte Worte und warum kann nur eine Person sie richtig deuten?

All dies wird nach und nach offenbart, denn der Roman ist nach Person in Kapiteln geteilt und befasst sich in einem sehr gut gehaltenen Tempo mit der Individuell- und Gesamtbagage der in Einzelteile zerfallenen Familie.

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Dantiel W. Moniz: „Milch Blut Hitze. Storys“


© C. H. Beck

Dantiel W. Moniz‘ literarisches Debüt, die Storysammlung „Milch Blut Hitze“ (Milk Blood Heat, 2021), erntet auch seit der Erscheinung in der deutschsprachigen Übersetzung Zuspruch und Beifall.

Die Autorin hat mit ihren Kurzgeschichten mehrere Adern getroffen, die Leserherzen mit unglaublich intensiven Eindrücken füllen und die Präsenz von Leben und Tod gleichzeitig im Gehirn und im Körper pulsieren lassen.

In den Storys werden große zeitlose Themen wie Weiblichkeit, Religion, Trauer, Familienbande, Schuld und Scham aus hochgradig originellen Blickwinkeln und von Protagonist:innen mit spannenden Persönlichkeiten aufgegriffen. Obgleich die Geschichten jeweils unabhängig und abgeschlossen sind, zeichnen sich zahlreiche verbindende Linien durch alle Individualexistenzen.

Die individuelle Autonomie sowie die qualitativ hochwertige Substanz der einzelnen Erzählungen fallen bereits in den ersten Momenten der Lektüre auf. Darüber hinwegblickend finden sich im Laufe der Geschichten immer wieder Momente, die auf eine Assoziation der Figuren zueinander hinweisen. Dass diese Vorahnung zum Schluss der Storys in beseelter, geradezu magischer Manier bestätigt wird, ist das kompositorische Tüpfelchen auf diesem literarischen Gaumenschmaus.

Auch thematisch gelingt die Verknüpfung der semantischen Felder von denjenigen Dingen und Beziehungen, die mit Milch, Blut und Hitze gemeint sein können, auf eine gekonnte Art und Weise.

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Djaimilia Pereira de Almeida: „Im Auge der Pflanzen“


© Unionsverlag

In ihren Werken konstruiert Pereira de Almeida psychologisch tiefgründige Einöden, beschäftigt sich mit menschlichen Innenwelten, Herkunft, Individualität und Identität – und sinniert über die dunkelsten Ecken sowie äußersten Grenzen des Verständnisses von menschlicher Moral und Ethik.

„Im Auge der Pflanzen“ (A Visão das Plantas, 2019), aus dem Portugiesischen übersetzt von Barbara Mesquita, erzählt die Geschichte des alten Kapitäns Celestino, der seine Jugend als Pirat und Sklavenhändler verbracht hat.

Im Herbst seines Lebens angelangt, kehrt Celestino zurück ins Dorf seiner Eltern, um in deren leer gebliebenem Haus seine letzten Jahre zu verbringen.

Bereits die ersten Seiten dieses schlanken Romans etablieren eine emotional und inhaltlich intensiv anmutende, düstere Atmosphäre, als Celestino sich im Haus einfindet.

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Bettina Wilpert: „Herumtreiberinnen“


© Verbrecher Verlag

Bettina Wilpert schreibt in ihrem neuen Roman „Herumtreiberinnen“ über grausame Facetten deutscher Geschichte – die sich bereits in dem aus zeitgenössischem Auge eher leichtherzig anmutenden Titel verbergen.

Herumtreiberei – so angenehm und frei dieses Wort heutzutage klingen mag – hat nichts mit Fernweh, Outdoor, Zerstreuung oder Freizeit zu tun.

Ein solches Verhalten bei Mädchen und Frauen deutete noch in den 1980er Jahren auf moralische Verwahrlosung und einen unsittlichen Umgang mit dem anderen Geschlecht hin, was in der DDR zur Zwangseinweisung in eine geschlossene venerologische Station oder „Tripperburg“ führen konnte.

Dies auf den kleinsten Verdacht hin und ab dem 12. Lebensjahr. Zahlreiche solcher geschlossener Einrichtungen hat es gegeben: in Berlin-Buch, Erfurt, Frankfurt (Oder), Gera, Halle, Dresden, Leipzig, Chemnitz und anderen Städten. (bpb)

Wilpert beschreibt und verbindet in ihrem Roman drei Frauenschicksale, die allerdings auf unterschiedliche Art und Weise mit der „Tripperburg“ verbunden sind. „Herumtreiberinnen“ bewegt sich zwischen Protagonistinnen in den Jahren 1983, 1945 und 2016. Diese betreten das Haus in der Lerchenstraße aus unterschiedlichen Gründen: Lilo betritt das Backsteingebäude als Gefangene, Manja als „Asoziale“ und Robin als Sozialarbeiterin.

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Nino Haratischwili: „Das mangelnde Licht“


© Frankfurter Verlagsanstalt

Nino Haratischwili schreibt in eigenen Worten am liebsten ausschweifend und umfangreich. Die Autorin schmückt ihre Geschichten, Kapitel und Figuren gerne üppig, vielschichtig, großzügig aus – ihre Romane sind bereits mit ihrer durchschnittlichen Seitenzahl Zeugen ihrer Vorliebe für dicke Bücher.

Der beeindruckende Umfang, die inhaltliche Vielfältigkeit und leidenschaftliche Beschäftigung mit der Geschichte und Identität Georgiens sind nur einige derjenigen Aspekte, die Haratischwilis Romanen Erfolg gebracht haben.

Die Katze und der General“ war auf der Shortlist für den Deutschen Buchpreis 2018 zu sehen, das Familienepos „Das achte Leben (Für Brilka)“ wurde in 25 Sprachen übersetzt, der neue Roman „Das mangelnde Licht“ bereits vor Erscheinen in 15 Länder verkauft.

„Das mangelnde Licht“ erzählt zeitgleich die blutige, brutale Geschichte von Tbilissi in den 1980er und 1990er Jahren – und die ambivalente, schwierige, komplexe Geschichte von vier Freundinnen, die sich in der Gegenwart im Jahr 2019 wiederfinden.

In einer Brüsseler Galerie treffen Keto, Ira und Nene einander nach Jahren wieder – um eine zu Ehren ihrer Freundin Dina zusammengestellte Retrospektive zu feiern. Anhand der einzelnen Fotos (die als Kapiteltitel auch die Geschichte strukturieren) versetzt Keto, aus deren Perspektive erzählt wird, sich immer wieder zurück in die Vergangenheit, die Kindheit und die Jugend in Tbilissi.

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Sharon Dodua Otoo: „Herr Gröttrup setzt sich hin“


© S. Fischer

Sharon Dodua Otoo hat in der Sammlung „Herr Gröttrup setzt sich hin“ (2022) bekannte und neue Kurzformen vereint – und ist ihrem ganz besonderen Bukett von Stil, Form und Inhalt auch im Vergleich zum Roman „Adas Raum“ vollständig treu geblieben.

Die Sammlung besteht aus einer humorvollen Erzählung mit kuriosem Perspektivenwechsel, einer erhellenden rassismuskritischen Rede und einem reflexiven Brief ans Ich der Vergangenheit.

Mittels der Kombination dieser drei Kurzformen wird das vielschichtige Portrait Otoos als Autorin und Person meiner Meinung nach recht treffend skizziert – da sowohl die Auseinandersetzung mit den eigenen Persönlichkeiten, die Faszination mit der mythischen Seite der Welt und der rassismuskritische Aktivismus in der Sammlung zur Geltung kommen.

Für „Herr Gröttrup setzt sich hin“, einer bereits erschienenen Kurzgeschichte, wurde Otoo der Bachmann-Preis verliehen. Mit Ironie und Scharfblick zeigt die Geschichte eine idyllische Frühstücksszene aus dem Leben eines alten weißen Mannes – deren sämtliche Existenz vollständig durchgerüttelt wird, als sein Frühstücksei eine unerwartete Konsistenz aufweist.

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Gayl Jones: „Corregidora“


© Kanon Verlag

Gayl Jones‘ Debütroman „Corregidora“, neu übersetzt von Pieke Biermann, erschien im Original im Jahr 1975. Entdeckt und veröffentlicht wurde das Buch erstmalig durch Toni Morrison.

„Corregidora“ erhielt nicht nur dank Morrisons Zuspruch reichlich Aufmerksamkeit: als Vorbote der weiblichen Schwarzen Renaissance in den 1980er Jahren und zeitgenössisch zum Höhepunkt der Black Arts Movement in den 1960er und 70er Jahren war Jones‘ Debüt zu seiner Erscheinungszeit hochgradig aktuell.

Die Neuentdeckung von Jones‘ Werk (in deren Rahmen der zweite Roman übrigens bereits für das kommende Jahr in deutscher Übersetzung geplant ist) steht unter dem Zeichen einer Vielfalt Schwarzer Literatur, die in den letzten Jahren erschienen ist.

„Corregidora“ ist eine brutale Auseinandersetzung mit der eigenen Vergangenheit, den Narben generationsübergreifender Traumata, der gewaltvollen Unterdrückung und dem Missbrauch von versklavten Personen – und mit der Relevanz des familiären Erbes auf der Suche nach individuellen Identitäten.

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Kim de l’Horizon: „Blutbuch“


© DuMont

Kim de l’Horizons autofiktionaler Roman „Blutbuch“ ist eine persönlichkeitsstarke, polarisierende Auseinandersetzung mit der fragmentierten Identität einer jungen nonbinären Person.

Queere Erzählformen begründen, eine Plastik in starre, schwarzweiße Strukturen einzuarbeiten und den Begriff „Identität“ zu seinen ambivalenten Wurzeln zu verfolgen galten, so de l’Horizon als Ziele des Romans. (Dlf Kultur)

Sprachlich, erzählerisch, stilistisch – de l’Horizon gelingt mit „Blutbuch“ eine wahre literarische Revolution, deren Präsenz auf der Longlist des Deutschen Buchpreises mehr als zu begrüßen ist. Was in der Exposition zunächst als ein vor Liebe und Schmerz trotzendes Requiem für die geistig verwesende Großmutter beginnt, entwickelt sich schnell in eine Obduktion der eigenen Sexualität und einer – stets erhellenden, teils ungemütlichen – existenzialistischen Suchwanderung.

Anhand szenischer Beschreibungen des großmütterlichen Hauses und Episoden aus der Kindheit, der im heimischen Berndeutsch der Hauptfigur liebevoll als „Grossmeer“ bezeichneten Oma von diversen Seiten nähertretend, sie als Erinnerung aus Fragmenten errichtend, nimmt Kim gleichzeitig die eigene Identität stückeweise auseinander – sich aufs gesamte Spektrum des körperlichen, psychischen und gesellschaftlichen beziehend.

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Celeste Ng: „Unsere verschwundenen Herzen“


© dtv

Celeste Ngs neuester Roman „Unsre verschwundenen Herzen“ (Our Missing Hearts, 2022), übersetzt von Brigitte Jakobeit, verwebt dystopische Ideen mit zeitgenössischen Betrachtungen – und erzählt eine packende Geschichte über Mut, Liebe und Hoffnung in einer von Angst durchbohrten Gesellschaft.

Am Beispiel einer düsteren, gespaltenen Welt hebt Ng die Unerlässlichkeit von Nächstenliebe hervor, zeigt die essenzielle Reichhaltigkeit heterogener Gesellschaften auf – und warnt vor den irreversiblen (individuellen und kollektiven) Konsequenzen einer bis zur Apathie betäubten Gesellschaft.

Obwohl die verschwundenen Herzen in Ngs Erzählwelt für die wertvollsten Teile der Familien stehen – sie symbolisieren Kinder, die ihren Nächsten hartherzig entrissen werden – weist der Romantitel ebenso auf eine gefährliche Gefühllosigkeit hin, die eine von Tyrannei beherrschte Gesellschaft in Gänze zerstören kann.

Auf den ersten Blick muss auch der junge Protagonist, der zwölfjährige Bird, der mit seinem Vater in Harvard lebt, diese erbarmungslose Einstellung unter größten Herzschmerzen erdulden – nachdem ihre Mutter die Familie verlassen hat, tut Birds Vater alles, um sich sowohl im Privaten als auch im Öffentlichen von ihr und ihren Ansichten zu entfernen.

Dass Birds Mutter Margaret asiatischer Herkunft ist, stellt eine ebenso große Gefahr dar, wie die Bedeutung ihrer Gedichte für die Gegenbewegung von PACT (Preserving American Culture and Traditions).

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Sayaka Murata: „Zeremonie des Lebens“


© aufbau

Sayaka Muratas Kurzgeschichtensammlung „Zeremonie des Lebens“, übersetzt von Ursula Gräfe, knüpft mit der Kombination von Alltagsbeschreibungen und Obduktionen psychosozialer sowie soziopolitischer Verhältnisse in Japan eng an die früheren Werke der Autorin an.

Allerdings haben die in diesem Sammelband verfassten Storys immer einen mehr oder weniger makabren Twist, der Lesende mal grübeln, mal innehalten – mal die eigenen ethischen Grundwerte gänzlich in Frage stellen – lässt.

Für achtzehn Jahre, auch während ihrer Karriere als Romanautorin, behielt Murata ihren Aushilfsjob in verschiedenen Konbini-Filialen (japanischer Supermarkt) – war also im wahrsten Sinne als Ladenhüterin tätig und konnte aus dieser Position diverse Personen und Begegnungen mit scharfem Auge beobachten.

Murata thematisiert die für Japan typische Konformität und Konventionalität, entwirft auf den ersten Blick klare Dynamiken und einfache Konflikte – um diese dann durch makabre Stilbrüche sowie mit absurden, unheimlichen und gruseligen Facetten zu kontrastieren und zu ergänzen. Sie zeigt, untersucht und bricht weibliche, gesellschaftliche, körperliche und psychologische Tabus, um auf unkonventionellen Wegen zum wahren Kern derjenigen Dinge zu gelangen, die ihre Protagonist*innen bewegen.

Murata dreht mit einer gekonnten Leichtigkeit traditionelle Familiendynamiken, moralische Grundprinzipien und emotionale Erwartungshaltungen auf den Kopf, indem sie Geschichten über Liebe, Lust und Freundschaft mit grotesken, unethischen oder subversiven Elementen verwebt.

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  1. Tolle Auswahl. Anthony Doerr liegt noch bei mir herum. Ich sollte den Roman endlich lesen, und von Dschinns war ich sehr begeistert und hat es nur knapp nicht in meine Top 6 geschafft. De Almeida hab ich auf dein Anraten gelesen und bin sehr dankbar für dieses Kleinod. Es hat mich in Komposition und Stil sehr überzeugt und Haratischwili liegt immer noch herum, weil es so viel zum Lesen gibt. Schön, dass du für die guten Literaturen eine Lanze brichst. Viele Grüße und Danke für das tolle Lesejahr bei dir!

    Gefällt 1 Person

    • Danke vielmals, lieber Alexander, ich habe mich auch sehr über unseren regen Austausch in diesem Jahr erfreut und bin gespannt auf das kommende literarische Jahr.
      Doerr fliegt trotz hoher Seitenzahl aus der Hand, daher bitte keine Scheu beim Anlesen. 😉
      Liebe Grüße und einen gemütlichen Rutsch ins neue Jahr!

      Gefällt 1 Person

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  1. Panorama: Leseplanung 2023 – Literarische Abenteuer

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